Das ist die Frage, die mir Patientinnen am häufigsten stellen. Warum ausgerechnet nachts? Tagsüber geht es doch.
Ich erkläre es meistens so — und es hat mit etwas zu tun, das Sie an sich selbst schon hundertmal beobachtet haben.
Wärme und Bewegung hängen zusammen.
Wenn Sie sich bewegen, wird das Gewebe stärker durchblutet. Es wird dabei wärmer, und wärmeres Gewebe ist geschmeidiger. Deshalb geht der zweite Kilometer leichter als der erste. Deshalb fühlt sich Dehnen nach einem Spaziergang anders an als aus dem Sessel heraus.
Nachts passiert das Gegenteil.
Sie liegen still. Über sechs, sieben, acht Stunden. Die Durchblutung fährt herunter, das Gewebe kühlt ab und wird fester. Und wenn Sie auf der Seite schlafen, liegt genau die Stelle außen die ganze Zeit auf.
Deshalb ist es morgens am steifsten und nicht abends. Nicht weil über Nacht etwas passiert wäre, sondern weil sich acht Stunden Stillstand angesammelt haben.
Und deshalb lösen sich die ersten Schritte nach ein paar Minuten von selbst. Sie bewegen sich, es wird durchblutet, es wird wärmer, es wird geschmeidiger. Ihr Körper macht dann in fünf Minuten genau das, was Sie ihm am Abend vorher auch hätten anbieten können.
Wärme ist deshalb kein Trostpflaster. Wärme macht dasselbe wie Bewegung — nur ohne dass Sie sich dafür bewegen müssen.
Und damit ist auch klar, warum die Wärmflasche nicht gereicht hat.